Lehrtext zur Losung

Christus spricht: Wenn man euch abführt und vor Gericht stellt, dann sorgt euch nicht im Voraus, was ihr reden sollt, sondern was euch in jener Stunde eingegeben wird, das redet. Denn nicht ihr seid es, die reden, sondern der heilige Geist.

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Die Vorsitzenden des CVJM:



Gottlieb Schweizer
von 1887 bis 1908
Gottlieb Schweizer



Johann Georg Wagner
von 1908 bis 1931
Johann Georg Wagner



Karl Schweizer
von 1931 bis 1950
Karl Schweizer



Hermann Schweizer
von 1950 bis 1955
Hermann Schweizer



Hermann Staiger
von 1955 bis 1958



Alfred Rometsch
von 1958 bis 1991
Alfred Rometsch



Rolf Helber
von 1991 bis 2000
Rolf Helber



Eberhard Nietzer
kommissarisch als 2. Vorsitzender
von 2000 bis 2002
Eberhard Nietzer


Thilo Schönfelder
seit 2002
Thilo Schoenfelder

 

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Vereinsgeschichte


Die Gründung des "Christlichen Jünglingsvereins"
Es war um das Jahr 1887, als der damalige Gerlinger Pfarrer Gustav Mörike, ein Vetter des Dichterpfarrers Eduard Mörike, sich große Sorgen um die Jugend seiner Gemeinde, besonders um die konfirmierte Jugend, machte. Es war die Zeit der machtvoll einsetzenden Industrialisierung.
Die rund 2000 Einwohner von Gerlingen hatten bisher ausschließlich vom Feld- und Weinbau, vom Wald und von den Steinbrüchen und auch vom Hopfenanbau gelebt. Und jetzt kam ein weiterer Verdienstzweig hinzu: die Fabrikarbeit.
Seit Jahren schon bestand eine Eisenbahnverbindung nach Leonberg und Stuttgart, allerdings von Ditzingen aus, und mancher Gerlinger, der hart um sein Überleben kämpfen mußte, hatte die Gelegenheit ergriffen und sich nach einer Arbeit in den Fabriken in Feuerbach, Stuttgart usw. umgesehen. Nicht nur Erwachsene, auch Jugendliche folgten diesem Beispiel. Diese Fabrikarbeiter brachten neben barem Geld, das sehr erwünscht war, auch die Sitten und Gebräuche nach Hause, nach Gerlingen. Diese äußerten sich in übermäßigen Wirtshausbesuchen an den Samstagen und Sonntagen; und oft, sehr oft arteten diese in Raufereien aus. Wie Pfarrverweser Dreher, der Verfasser der Gerlinger Ortschronik, 10 Jahre später in einem Pfarrbericht schreibt, soll es zudem in den Arbeiterzügen schamlos und schändlich zugegangen sein.
So war die Situation 1887, als Pfarrer Mörike eingriff und versuchte, die Jugendlichen seiner Gemeinde, die meist aus frommen, pietistischen Elternhäusern stammten, vor diesem Treiben zu bewahren.
Da in den umliegenden Gemeinden, ebenso in Stuttgart, die gleiche Situation herrschte und sich dort bereits die Jugendlichen zu Bünden, zum Beispiel zum Christlichen Jünglingsverein, zusammengeschlossen hatten, wurde dies in Gerlingen auch versucht. Pfarrer Mörike wird sich mit etlichen jungen Männern besprochen haben, so u. a. mit dem 24 Jahre alten Gottlieb Schweizer, der auch, als es tatsächlich zur Gründung eines Jünglingsvereins im November 1887 kam, zum Vorstand gewählt wurde.

Die ersten Jahre des Vereins

Schon im Januar 1888 erhielt der Verein ein Schulzimmer im alten Schulhaus, wo seine Mitglieder am Sonntagabend nun zusammenkommen konnten. Alles läßt darauf schließen, daß zu jener Zeit Vereinsrichtlinien, Statuten, ausgearbeiteten wurden, die heute aber nicht mehr vorliegen.
Zunächst galt es, die konfirmierte Jugend ab dem 14. Lebensjahr zu Zusammenkünften anzuregen und zu sammeln. Pfarrer Mörike beauftragte damit seinen Sohn Karl, der zu jener Zeit Theologie studierte, andere halfen mit. In den ersten Jahren wurden nun Geschichten erzählt und vorgelesen, Spiele gemacht, Volkslieder und patriotische Lieder gesungen. Erst nach zwei Jahren kam die Bibelarbeit hinzu. Das Wort Gottes sollte die Hauptsache, die Mitte aller Zusammenkünfte werden. Anfangs übernahm Pfarrer Mörike die Andachten und ging dabei auch auf das ganze Weltgeschehen je nach dem augenblicklichen Stand der Dinge ein. Das Singen, Erzählen und Spielen wurde beibehalten. Es muß eine fröhliche, ernste und gesegnete Zeit gewesen sein.
Schon in den ersten 10 Jahren zeigten sich Früchte dieser Arbeit. Vier Jünglingsvereinler traten in den unmittelbaren Dienst des Herrn. Drei wandten sich der Äußeren Mission zu und meldeten sich in den Dienst der Basler Mission: Rudolf Höhn, der zum Industriebruder ausgebildet und nach Indien ausgesandt wurde, dort aber bald an Malaria starb; Gottlieb Zimmermann, der später auf einer Missionsstation Johannes Zimmermanns in Akropong im heutigen Ghana/Afrika wirkte und nach zweimaligem Einsatz und Internierung während des ersten Weltkrieges 1919 in Deutschland tödlich verunglückte sowie Wilhelm Maisch, der von 1904 bis 1920 und von 1922 bis 1924, zuletzt als Präses der Basler Mission, in China Dienst tat und dort auch verstarb. Zur Inneren Mission meldete sich Gustav Schumacher, der als Diakon viele Jahre in der Heimat im Segen wirken durfte.
Immer mehr Jugendliche und auch junge Männer wurden von dieser Gruppierung angezogen. Begegnungen mit auswärtigen Vereinen wurden aufgenommen, Treffen auf Bezirkseben arrangiert, ja auch die Bundesfeste in Stuttgart wurden besucht.

Der Beginn des Posaunenchors

Bereits anfang der 90er Jahre lernten die Gerlinger bei diesen Treffen Posaunenchöre kennen, die machtvoll die Choräle bliesen. Korntal hatte bereits einen solchen, und es würde nicht mit rechten Dingen zugegangen sein, wenn die Gerlinger nicht auch den Wunsch gehabt hätten, einen solchen zu gründen. Geld für Instrumente war nicht vorhanden, aber nach langem Überlegen und nachdem sie 300 Mark auf Schuldschein geborgt hatten, wagten sie den Schritt und kauften sich die ersten Instrumente. Ein ehemaliger Gerlinger, Malermeister Christoph Mezger, der nun in Stuttgart wohnte, war ihr Berater und auch ihr erster Lehrmeister. Er kam wöchentlich zweimal, meist zu Fuß nach Gerlingen und übte mit den angehenden „Posaunisten“. 1895 konnten sie ihre Kunst dann zum erstenmal den kritischen Ohren der Gerlinger bei einer Beerdigung zeigen bzw. zu Gehör bringen. Viele Jahrzehnte haben sie diesen Ehrendienst für die Toten getan. Viel lieber spielten sie aber zur Freude der Lebenden bei den Gottesdiensten oder an Festtagen, besonders an Weihnachten an verschiedenen Plätzen des Dorfes.

Das Vereinshaus
Der „Verein“ wuchs, im Schulhaus wurde es zu eng, auch mußten sie befürchten, daß Ihnen eines Tages das Schullokal gekündigt werden könnte. Da wagten sie etwas, was heute im Rückblick auf die Zeit nicht hoch genug angeschlagen werden kann: sie beschlossen, ein eigenes Haus zu bauen, das heutige Vereinshaus in der Schillerstraße. Ohne finanzielle Mittel zu haben, nur im Vertrauen auf Gott und den Willen, soviel wie möglich selbst Hand an den Bau zu legen, suchten sie nach einem Platz und beauftragten einen Architekten mit der Planung. Verschiedene Freunde des Vereins gaben Kredite.
1904, unter Pfarrer Herzog - Pfarrer Mörike war 1899 gestorben und Vikar Dreher war sein Vertreter gewesen - wurde dieser Bau begonnen und 1906 durch Pfarrer Beitter eingeweiht. Es war ein Festtag für den Jünglingsverein, aber 20 000 Mark Schulden mußten verkraftet werden. Nun hatten sie Räume, in denen sie nicht nur sonntagsabends zusammenkommen konnten, nun waren auch Evangelisationen möglich, zu denen die ganze Gemeinde eingeladen wurde. Außerdem hatten sie die Möglichkeit, im Saal und im Garten turnerische Übungen durchzuführen. Ein Reck und ein Barren wurden gekauft.
Selbst der „Jungfrauenverein“, der schon 1896 als Pendant zum Jünglingsverein gegründet worden war, erhielt einen Raum zu seinen Zusammenkünften im „Säle“. Die anfänglichen Zweifel, ob es möglich und auch schicklich sei, ihre Veranstaltungen zur gleichen Zeit am Sonntagabend durchzuführen, waren bald zerstreut. Es ging alles ordentlich zu. Nur einmal wird Klage geführt, daß sie durch ihr „ewiges“ Singen die Bibelstunde der Männer störten.
Um die Schulden- und Zinslast zu verringern, stellten sich Mitglieder zu dramatischen Aufführungen, bei denen Eintrittsgelder erhoben wurden, zur Verfügung. Erinnert sei nur an zwei Aufführungen, einmal die „Verteidigung Kolbergs“ und später an „Kaiphas und Pilatus“, bei letzterem wirkten 60 Personen mit.

Aus dem Vereinsleben
Um das Angebot reichhaltiger zu machen und auch den Wünschen der jüngeren Mitglieder entgegenzukommen, wurden Neigungsgruppen, z. B. eine Wandergruppe, gebildet, die teils zu Fuß, teils mit dem Fahrrad die engere und weitere Umgebung erkundete. Ein Männerchor kam dazu, später um 1912 ein gemischter Chor. Eine Bücherei wurde eingerichtet und ein „Bibliothekar“ ernannt.
Ein „Spielplatz“ auf der Schillerhöhe, die zu jener Zeit noch „vordere Heide“ hieß, wurde auch dem Jünglingsverein, wie auch dem Arbeiterturnverein, von der Gemeinde zur Verfügung gestellt. Hier konnte nun Fußball und Faustball gespielt werden, ja die ganze Vereinfamilie, die Väter mit ihren Kindern trafen sich dort oben sonntagsnachmittags zu Sport und Spiel. Ein Schutzhäuschen wurde erbaut. Manch alter Jünglingsvereinler erzählte noch vor etlichen Jahren von diesen Zeiten.
Mittelpunkt aber all dieser Aktivitäten blieb die Bibelstunde am Sonntagabend. Hier trafen sich alle. Bei diesen Bibelstunden wurde nach Gesang und Gebet eine Schriftstelle oder ein Kapitel aus der Bibel gelesen und diese dann von vier oder fünf „Sprechern“ erläutert und von verschiedenen Seiten beleuchtet. An dieser Stelle sei an einen Sprecher erinnert, von dem der spätere Vorstand Karl Schweizer schreibt, daß er eine besondere Gottesgabe besessen habe, das Wort Gottes in der Bibelstunde so lebendig werden zu lassen, daß jeder davon ergriffen worden sei - an Christian Höschele, der bis zu seinem Tod 1932 diesen Dienst tat.
Mit der Landeskirche stand man in bestem Einvernehmen, es war ein gegenseitiges Geben und Nehmen, denn auch die Pfarrer beteiligten sich am Vereinsleben.

Veränderungen drurch denersten Weltkrieg
Der erste Weltkrieg brachte die Arbeit fast zum Erliegen. 45 Mitglieder wurden eingezogen, 10 kehrten nicht mehr heim. Zwei ältere Brüder führten die Arbeit in dem ihnen möglichen Rahmen weiter. Pfarrer Schweizer, der seit 1912 in Gerlingen wirkte, schreibt: „Der Jünglingsverein fristet in dieser Zeit sein Leben in den alten Formen“.
Nach dem Krieg durfte der Verein einen schönen Aufschwung erleben. Neue Mitglieder kamen hinzu, rund 75 waren es, erreicht mit dem Wort Gottes wurden aber 150 bis 220 Personen. Die Arbeit konnte im größeren Rahmen weitergeführt werden. Als 1923 die Turn- und Festhalle, die heutige Jahnhalle, gebaut wurde, erhielt auch der Jünglingsverein einen Übungsabend zugeteilt. Die einzelnen Neigungsgruppen konnten ausgebaut werden. Manch einer hat im „Verein“ Schachspielen gelernt.
Die Wanderungen wurden fortgeführt, Kluften wurden angeschafft (olivgrünes Hemd und grünes Halstuch), die Jahresausflüge, zu denen die Familien eingeladen waren, wurden der Zeit angepaßt und mit dem Lastwagen, den ein Mitglied gemietet und auch selbst gefahren hat, durchgeführt. Später wurden Omnibusse eingesetzt.

Umbenennung in "Christlicher Verein Junger Männer"
1925
beschloß der Verein eine Namensänderung. Fortan hieß er „Christlicher Verein Junger Männer - CVJM“ und wurde in das Vereinsregister eingetragen. Auch wurde eine neue Satzung verfaßt, die vielleicht noch etwas von den „Schranken“, die der Jünglingsverein einst 1887 aufgestellt hatte, erahnen läßt. In § 6 heiß es nämlich: „Wer sich an einem Tanzkurs oder an einem Tanzvergnügen beteiligt ... schließt sich selbst als Mitglied aus“.

In der Zeit von 1933-1945
Eine bittere Zeit leitete das Jahr 1933 ein. Erst glaubte man - wie es so oft von Parteiseite beteuert wurde - an den Leitsatz vom „positiven Christentum“, mußte aber schon 1933, besonders 1934, mit Schrecken erkennen, daß alle konfessionellen Jugendverbände durch einen Federstrich in die „Hitlerjugend“ eingegliedert und damit zerschlagen wurden. Nur noch mit Jugendlichen über 18 Jahre durfte und konnte eine beschränkte Arbeit weitergeführt werden. Ja es kam 1939 so weit, daß die „Partei“ verlangte, daß das Vereinshaus, das sich ja im Besitz eines konfessionellen Verbandes befand, sozusagen automatisch in die Eigentumsrechte der NSDAP übergehen sollte. In letzter Minute konnte dies durch eine Schenkung des Vereinshauses an die Kirchengemeinde verhindert werden. 1949 wurde das Haus wieder an den CVJM zurückgegeben.

Erneuter Aufschwung des Vereinslebens
Als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges alle Fesseln gefallen waren, durfte der CVJM zum zweitenmal einen neuen Aufschwung erleben. Der Sportplatz auf der Schillerhöhe war - wie auch der Platz des Turnvereins - wegen der begonnenen Bebauung der Schillerhöhe in den „Hahnenbühl“ verlegt worden. Die Jugendarbeit wurde intensiviert. Schon die 9- bis 13jährigen wurden und werden heute in die Jungschar eingeladen, mit 14 Jahren treten sie in die Jungenschaft über. Wochenendfreizeiten, in Häusern oder Zelten, in der Nähe oder in der Ferne, mit dem Fahrrad oder einem kleinen Bus angesteuert, erfreuen sich großer Beliebtheit. Ferienfreizeiten unter Gottes Wort wurden in den vergangenen Jahrzehnten und werden heute noch abgehalten, von einer Radwanderung , z. B. durch die Schweiz, wird heute noch erzählt.
Im Laufe der Zeit wurden aus den Bibelstunden am Sonntagabend die „Offenen Bibelabende“, zu denen jeweils fachkundige Referenten eingeladen werden, die zu aktuellen Themen aus der Sicht der Bibel Stellung nehmen.

100jähriges Vereinsbestehen und Umbenennung in "Christlicher Verein Junger Menschen"
Im Jahre 1987 konnte unter dem langjährigen Vorstand Alfred Rometsch das 100jährige Vereinsbestehen festlich gefeiert werden. Das Jubiläum waren auch der Anlaß einer schon lange geforderten Namensänderung: Da dem Verein erfreulicherweise auch weibliche Mitglieder beigetreten sind, hieß er zwar noch weiterhin CVJM, firmierte aber jetzt offiziell als Christlicher Verein junger Menschen.
Die Jahre 1995 bis 1999 waren geprägt von z. T. großen Umbau- und Renovierungsmaßnahmen am doch mittlerweile in die Jahre gekommenen Vereinshaus. Der Einbau einer modernen Zentralheizung und einer Einbauküche im Jahre 1995 und die Modernisierung des Sanitärbereichs haben viele Kräfte gebunden. Dem Verein steht aber nun ein Haus zur Verfügung, das den heutigen Ansprüchen genügt und in dem sich weiterhin jüngere und ältere Menschen unter Gottes Wort zusammenfinden können, um die Bibel zu lesen, zu musizieren, zu feiern oder sich sportlich zu betätigen.
Jetzt ist es an den Mitgliedern und den Mitarbeitern, ihre Zeit und die frei gewordenen Kräfte wieder verstärkt der eigentlichen Aufgabe zuzuwenden: der Jugend das Wort Gottes weiterzusagen.
Die Möglichkeiten, mit Jugendlichen zu arbeiten, sind seit der Vereinsgründung andere geworden, geblieben ist aber die Sorge um ihr geistiges und geistliches Wohl. Sie vor den Gefahren der Welt zu bewahren, ist nicht möglich, sie aber zu warnen, ist die Pflicht und sie vor allem zu Gott zu führen, ist heute wie damals oberstes Gebot. Ohne Menschen, die sich für diese Jugend einsetzten und jederzeit einsetzen werden, war und ist diese Arbeit nicht möglich.


Quelle:

CVJM Gerlingen - 100 Jahre Vereinsgeschichte, Artikel von Agnes Maisch in: Festschrift 100 Jahre CVJM Gerlingen, 1887 - 1987, ergänzt von R. Dzeik